Bargeld abschaffen: Kommt es zu einem Bargeldverbot in Deutschland?

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Das Bargeld abschaffen in Deutschland? Für die einen absurd, für die anderen offenbar schon bald Realität. Nicht wenige Verbraucher denken, dass die während der Corona-Krise überall eingeführten Möglichkeiten zum kontaktlosen Zahlen die Vorboten der Bargeldabschaffung sind.

Auch ein Blick über die Grenzen zu den Nachbarn legt die Vermutung nahe, denn vor allem in den nordeuropäischen Ländern benutzen nur noch die wenigsten Bürger Bares. Die Deutschen sind nach wie vor Spitzenreiter, wenn es darum geht, mit Münzen und Scheinen zu bezahlen.

Wir haben einmal recherchiert, was es mit einem Bargeldverbot auf sich hat und ob, beziehungsweise wann, der komplett bargeldlose Zahlungsverkehr zu erwarten ist.

Bargeld abschaffen: Das Wichtigste in Kürze

  • Die Deutschen sind Spitzenreiter in Europa, was Zahlungen mit Bargeld angeht. Obwohl kontaktloses Bezahlen an nahezu jeder Supermarktkasse möglich ist, möchten über 50 % der Bundesbürger nicht auf Münzen und Scheine verzichten.
  • Die Corona-Krise hat die Bereitschaft gefördert, mit Karten & Co. zu bezahlen. 2020 verzeichneten die Umsätze durch bargeldlose Zahlungsmittel im Einzelhandel ein Rekordhoch.
  • Nachdem die 500-Euro-Scheine schon abgeschafft wurden, möchte die Europäische Zentralbank nun die 1- und 2-Cent-Kupfermünzen aus dem Verkehr gezogen sehen.
  • Einige europäische Nachbarländer gehen sehr konsequent in Richtung digitaler Zahlung. In Dänemark sind Geschäfte nicht mehr verpflichtet, Bargeld anzunehmen und in Schweden oder Finnland erfolgt der Gang zum Geldautomaten äußerst selten.
  • Kritische Stimmen sehen in der schwindenden Präsenz des Bargeldes einen Schritt zum gläsernen Bürger. Obwohl ein Bargeldverbot Schwarzarbeit und Geldwäsche verhindern könnte, gibt es in Deutschland keine Pläne, die auf eine Abschaffung von Bargeld zielen.

Inhaltsverzeichnis

Bargeldverbot 2020 / 2021: Aktuelle Situation

Münzen und Scheine werden so schnell nicht aus den Geldbörsen der Verbraucher in Deutschland, Europa und der Welt verschwinden. Obwohl einige Länder wie Schweden, Finnland und Dänemark es den Liebhabern von Bargeld immer unbequemer machen. Bis 2030 wollen diese Länder bargeldfrei sein. Ob dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt sein wird?

In Deutschland ist Bargeld immer noch der König. Auch wenn 2021 in Brüssel über den digitalen Euro entschieden wird, bleiben den Bundesbürgern Münzen und Scheine auf jeden Fall erst einmal erhalten. Viele Banken und Politiker sprechen sich gegen Bargeld abschaffen ebenfalls aus.

Eine andere Frage, die jedoch viele bewegt, lautet: Kommt jetzt die Bargeldquote? In der EU ist die Höhe, in der Bargeldgeschäfte zulässig sind, ganz unterschiedlich. Eine einheitliche Bargeldgrenze 2020 gab es daher nicht. Doch wo liegt genau das Problem? Immerhin überlegt die EU an einer Bargeldgrenze 2021. Die soll das Hinterziehen von Steuern und Geldwäsche erschweren.

Neun der 27 Mitgliedstaaten haben keine Bargeldobergrenze – darunter Deutschland. In anderen Ländern dürfen nicht mehr als 500 Euro in bar bezahlt werden. In Deutschland wird lediglich ab 10.000 Euro eine weiterführende Identifikation fällig. Zu wenig, findet die EU. Denn Bargeld ist immer noch das Mittel der Wahl für Kriminelle, auch wenn insgesamt ein Rückgang der Bargeldnutzung weltweit verzeichnet wird.

Ein Argument, das ebenfalls für eine einheitliche Bargeldgrenze spricht, ist die Wettbewerbsverzerrung. Ein Händler in einem Land ohne Limit kann von Kunden profitieren, die schnell einmal zum Einkaufen über die Grenze fahren. Belgische Juweliere geben beispielsweise an, dass ihnen bis zu 30 % Umsatz entgehen, weil die Bargeldgrenze bei den Nachbarn nicht vorhanden oder deutlich höher sei.

Die EU hat verschiedenen Möglichkeiten ausgearbeitet. Allerdings geht die Tendenz zu 10.000 Euro als Bargeldgrenze 2021. Den Mitgliedstaaten soll das Setzen niedriger Limits vorbehalten bleiben. In Deutschland empfahl der Bundesrechnungshof im Dezember 2020 ein Bargeldverbot ab 5.000 Euro. Die gesamte Initiative sehen viele Politiker in Deutschland kritisch. Der Kampf gegen Geldwäsche kann dann leicht als Kampf gegen Bargeld verstanden werden.

Wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben und dich über aktuelle Entwicklungen unterrichten.

Wie lange gibt es noch Bargeld?

Die Bundesbank glaubt nicht an eine baldige Abschaffung des Bargeldes. Obwohl die Corona-Krise Verbraucher dazu zwingt, mit anderen Methoden zu bezahlen. Immerhin zahlen 4 von 10 Deutschen seit Beginn der Pandemie deutlich seltener in bar.

Verschiedene Studien kamen zu dem Schluss, dass im Einzelhandel 2020 eine Milliarde Einkäufe weniger in bar bezahlt wurden als noch 2019. Die EZB hat zudem ermittelt, dass die Verbraucher in der EU selbst den Wunsch haben, weniger Bargeld zu nutzen.

Die Bundesbank betont jedoch, dass Münzen und Scheine unersetzbare Vorteile haben – denn damit ist die Bezahlung ganz ohne technische Hilfsmittel möglich. Außerdem ist Bargeld ausfallsicher und gilt als Zahlungsmittel, auf das sich wirklich jeder verlassen kann.

Geht es nach der Bundesbank, wird auch die geplante Abschaffung der 1- und 2-Cent-Kupfermünzen in der EU kritisch beurteilt. Dahinter steckt durchaus eine moralische Komponente und die alte Weisheit: „Wer den Pfennig nicht ehrt, der ist des Talers nicht wert.“

Wann kommt das Bargeldverbot in Deutschland?

Wann wird das Bargeld in Deutschland abgeschafft? Eine Frage, die nicht unberechtigt ist. Immer wieder kommen in der Politik, aber auch von Wissenschaftlern Diskussionen auf, die sich darum drehen, Münze und Scheine abzuschaffen.

Doch was plant die Bundesregierung? Wann gibt es kein Bargeld mehr in Deutschland? Diesen Fragen sind wir einmal nachgegangen und haben die Diskussion um das Bargeldverbot unter die Lupe genommen.

Bargeld lacht noch in Deutschland

Bargeld in Deutschland
Die Deutschen lieben Bargeld. Viele Ausgaben des täglichen Lebens werden weiterhin gerne bar bezahlt.

So viel vorab: Die Deutschen lieben Bargeld. Zwar hat die Bereitschaft, zu Karten und anderen digitalen Zahlungsmitteln zu greifen, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie zugenommen, aber Münzen und Scheine dominieren nach wie vor die Geldbeutel. Das gilt vor allem für die kleinen Ausgaben des Alltags. Bustickets, das Mittagessen in der Kantine, Zeitung und Zigaretten am Kiosk werden weiterhin gerne bar bezahlt.

Tatsächlich soll der Bargeldverkehr beschränkt werden. Einer der ersten Schritte ist die Abschaffung des 500 Euro-Scheins. Das hat die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt. Diese Diskussion führen auch die USA. Denn dort stehen die 100 Dollar-Scheine im Visier.

Der Geldverkehr wird immer digitaler. Einige Stimmen, die eine Bargeldabschaffung verhindern wollen, sprechen sogar von einem Bargeldverbot. Wie das funktionieren kann, machen EU-Nachbarn vor. In Dänemark müssen Tankstellen, Cafés und kleine Geschäfte schon seit 2015 kein Bargeld mehr annehmen. In Frankreich gilt eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte von 1.000 Euro – vorher waren es 3.000 Euro.

Neben den großen Scheinen ist vor allem das Kleingeld im Visier. In den Niederlande sind die 1-Cent-Münzen außer Gefecht gesetzt und auf so manch deutsche Nordseeinsel wird dieses Kleingeld nicht mehr geliefert. Das bietet Anlass zu der Vermutung, dass es in Zukunft schwieriger wird, in Deutschland und der EU passend mit Bargeld zu bezahlen.

Dazu passt, dass Europas Währungshüter den digitalen Euro vorantreiben. Mitte 2021 wird die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zum digitalen Euro erwartet. China testet schon seit März 202 die staatliche Währung Chinese Digital Currency Electronic Payment (DCEP). Facebook plant, mit dem Libra ebenfalls eine digitale Währung einzuführen.

Bargeld lacht – aber wie lange noch? | tagesschau24 WissensCheck

Bargeldabschaffung in Deutschland erfordert Gesetzesänderung

So schnell geht es jedoch mit der Bargeldabschaffung in Deutschland nicht. Denn dafür müsste Deutschland nicht nur das Bundesbankgesetz ändern, sondern auch die EU den Vertrag über ihre Arbeitsweise. Alle EU-Staaten müssten zustimmen, damit das Bargeld abgeschafft werden kann.

Aktuell ist es so, dass Bargeld vor allem für zivilrechtliche Schuldverhältnisse eine Bedeutung hat. Sofern keine andere Zahlungsweise vereinbart wurde, müssen Lieferanten, aber auch der Vermieter Bargeld akzeptieren. An staatlichen Stellen müssen ebenfalls Zahlstellen eingerichtet sein, die Bares akzeptieren.

Allerdings ist gar nicht jeder Zahlungsempfänger so glücklich über Münzen und Scheine. Die alte Lohntüte hat ausgedient, seit Sparkasse und Volksbank Gehaltskonten angeboten haben. Die Post zog nach und heute ist es fast Normalität, kostenfrei ein Girokonto, ein Gemeinschaftskonto und in vielen Fällen ein Geschäftskonto zu erhalten.

Bis zum Jahr 2016 war es für viele Personengruppen wie Arbeitssuchende, Wohnungslose, Asylbewerber, aber auch Ausländer mit einer kurzen Historie in Deutschland nicht möglich, ein Konto zu erhalten. Mit der gesetzlichen Verpflichtung zum Jedermann-Konto, das Banken und Sparkassen eröffnen müssen, sofern es keine andere Kontoverbindung gibt, hat sich das grundlegend geändert. Damit wurde in letzter Konsequenz auch eine Gruppe an das Bankenwesen gebunden, die vorher dringend auf Bargeld angewiesen war.

Bislang wurde noch nicht diskutiert, ob es eine Bargeldpflicht im Rechtssystem gibt. Allerdings wäre eine Abschaffung des Bargeldes nicht wirklich mit dem Grundgesetz vereinbar. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Gesetzgeber ebenfalls untersagt, dass Bürger Münzen, Edelmetalle oder ausländische Währungen besitzen. Das ist in der Vergangenheit nur in totalitären Systemen passiert.

Der 500-Euro-Schein wird nicht mehr gedruckt

500 Euro-Schein ist abgeschafft
In 2019 wurde der 500-Euro-Schein abgeschafft. Er wird nicht mehr produziert und ausgegeben.

Kein Bargeld mehr in Deutschland wird auch dann nicht so schnell erfolgen, wenn die 500-Euro-Scheine fehlen sowie das Kupfergeld. Das wäre allerdings nichts rechtswidrig.

Allerdings kann die Abschaffung der 500-Euro-Scheine auch unter einem anderen Aspekt betrachtet werden. Der Hintergedanke wäre, dass Bargeld horten zwar nicht verboten ist, aber Horten wird teurer. Auf diese Weise könnten höhere Negativzinsen durchgesetzt werden. Damit würde die EZB jedoch ein klares Inflationsziel verfolgen, was Wirtschaftspolitik ist und somit außerhalb des Zuständigkeitsbereiches liegt.

Deutlich bedenklicher als der fehlende 500-Euro-Schein ist allerdings das viel diskutierte Verbot, Forderungen über 5.000 Euro in bar zu bezahlen.

Die Welt wird täglich bargeldloser

Kannst du dich noch erinnern, wann du das letzte Mal zum Geldautomaten gegangen bist? Wenn du ein Konto bei Banken oder Direktbanken führst, sieht dein finanzieller Alltag vielleicht so aus:

  • Du überweist Miete per Dauerauftrag
  • Dein Chef überweist das Gehalt
  • Stromversorger, Telefonanbieter und Fitness-Studio hast du eine Einzugsermächtigung erteilt
  • Bestellungen im Internet zahlst du mit der Kreditkarte, Sofortüberweisung oder per PayPal
  • Beim Einkauf im Geschäft zahlst du mit der Girokarte oder dem Smartphone

Da liegt der Verdacht nahe, dass Münzen und Scheine tatsächlich ein Auslaufmodell sind. Allerdings fühlen sich für viele Geldscheine in der Hand nach Freiheit und Sicherheit an. Wenn du in bar im Geschäft bezahlst, ist nirgendwo erfasst, was du gekauft hast – ein Fakt, der vor allem Datenschützer freut.

Ein Ende des Bargeldes in Deutschland ist erst einmal nicht in Sicht

Aufgrund der Bargeldobergrenze, die in vielen europäischen Ländern gilt, steigen Kartenzahlungen. Es gibt aktuell keine konkreten Pläne, das Bargeld in der Eurozone komplett abzuschaffen.

Eine Welt ohne Bargeld ist aufgrund der Digitalisierung und dem rasanten Tempo, das sie an den Tag legt, zwar irgendwann wahrscheinlich. Aber solange die Deutschen immer noch gerne mit Bargeld bezahlen, besteht keine Problematik.

Abschaffung des Bargeldes: Wer könnte daran ein Interesse haben?

Wir haben uns einmal Gedanken gemacht, wer ein Interesse an einem Bargeldverbot haben könnte. Dabei sind uns ein paar Gruppen aufgefallen, deren Motivationen wir geprüft haben. Das bedeutet konkret: Für wen hätte der Bargeldstopp positive Folgen?

  1. Zentralbanken: Die Schuldenkrise ist kein Geheimnis. Zentralbanken haben daher grundsätzlich ein Interesse an niedrigen Zinsen oder sogar Negativzinsen. Fällt das Bargeld weg, lassen sich diese Konzepte deutlich leichter realisieren.
  2. Staat: Die Politik soll zwar unabhängig sein, doch auch in der besten Demokratie ist keine Regierung frei von Verflechtungen und Lobbyismus. Mit den großen Banken und der Zentralbank gibt es daher bemerkenswerte Interessenüberschneidungen. Eine Bargeldsteuer könnte dabei helfen, die Abschaffung von Münzen und Scheinen zu begünstigen.
  3. Banken: Kein Bargeld, keine Gefahr für einen Banken-Run. So einfach wäre der Rückschluss. Digitales Geld auf den Konten der Bürger erleichtert es zudem, verschiedene Gebühren durchzusetzen.
  4. Direktbanken und Fintechs: Die Internetbanken sind komplett auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr ausgerichtet. Neben der Giro- und Kreditkarte sind in den letzten Jahren viele weitere Finanzprodukte rund um die digitale Bezahlung auf dem Markt erschienen. Die Palette reicht von Mobile Payment über e-Wallets bis hin zu Bezahl-Apps.
  5. Wirtschaft: Da bei bargeldlosen Zahlungen alle Transaktionen erfasst werden, ist klar, für welche Zwecke der Verbraucher welche Summen ausgibt. Das ermöglicht es, noch gezielteres Marketing zu betreiben und Umsätze zu erhöhen. Außerdem könnten Rabatte zusätzlich Druck bei den Verbrauchern aufbauen – zum Beispiel dann deutlich billiger, wenn nicht mehr bar gezahlt wird.
  6. Behörden: Geldwäsche ist auch im digitalen Zeitalter ein großes Problem. Denn hinter vielen kriminellen Machenschaften steckt Bargeld. Fällt das weg, würde ein entscheidender Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelingen.

Bargeld abschaffen: Pro und Contra – was bringt die Debatte eigentlich?

In Ländern wie Schweden lässt sich an vielen Orten noch nicht einmal mehr eine Tasse Kaffee mit Bargeld bezahlen. Auch in anderen Ländern ist der bargeldlose Zahlungsverkehr stark auf dem Vormarsch. Deutschland hängt zwar noch am Bargeld, doch auch hier ist ein leichter Umschwung zu verzeichnen. Mobiles Bezahlen spare Zeit, lautet die Werbung.

Andere freuen sich, endlich nicht mehr das lästige Kleingeld mit sich herumtragen zu müssen. Der Umtausch kann schließlich teuer werden. Dafür verlangen die Bankhäuser ab 50 Münzen Gebühren. Hintergrund: Geld zählen und auf Fälschungen prüfen erfolgt durch externen Dienstleister und die sind teuer.

Kritiker und Datenschützer sorgen sich vor allem um Sicherheitsaspekte bei bargeldlosen Zahlungen. Denn die Daten werden gespeichert und wenn Bankinstituten alles wissen, ist der Schritt zum gläsernen Bürger nur noch eine Formsache.

Die Abschaffung des Bargeldes ist nicht zuletzt umstritten, weil die Menschen sich weigern, ihre Konsumgewohnheiten offenzulegen. Bargeld bedeutet für viele gedruckte Freiheit. Doch das ist auch verhandelbar. Denn demzufolge besitzt Freiheit nur derjenige, der auch entsprechende Mengen an Geld hat – bar oder auch digital.

Doch warum hängen die Deutschen so am Bargeld? Tatsache ist, dass die Gefahr eines Wohnungseinbruches größer ist als die eines Bankencrashs. Trotzdem wird in Deutschland gerne noch Geld im Safe, im Sparschwein oder unter der Matratze gehortet. Warum das so ist? Den Umgang mit Geld lernen Kinder von ihren Eltern. Wer solche Verhaltensweisen wie das Bargeldversteck im Schrank von klein auf gewohnt ist, ändert das später nur noch sehr mühsam.

In Schweden, einem der europäischen Vorreiter in Sachen bargeldloser Zahlungsverkehr, kam der Impuls zum Wechsel nicht von den Verbrauchern, sondern den Händlern. Auch in Dänemark waren es die Gewerbetreibenden, die keine Lust mehr hatten, Geld zu rollen und transportieren zu lassen.

Die skandinavischen Länder gelten als die fortschrittlichsten und freiesten Staaten in Europa. Daher laufen Argumente, dass die Bargeldabschaffung ein Schritt in eine Diktatur sei, durchaus ins Leere. Denn einiges spricht für den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Gänge zur Bank und zum Automaten entfallen, Bargeld kann nicht mehr verloren oder gestohlen werden und der digitale Zahlungsverkehr ist günstiger.

Zu hören sind auch Bedenken der Art, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr nicht nur die totale Kontrolle, sondern auch eine Enteignung der Bürger darstelle. Tatsächlich können sehr niedrige oder negative Zinsen ein Sparguthaben entwerten. Das wäre durchaus eine indirekte Enteignung des Sparers. Dabei müssen jedoch noch Faktoren wie Inflation, Deflation oder die reale Kaufkraftentwicklung berücksichtigt werden.

Vor- und Nachteile der Bargeldabschaffung

Wir nehmen nun einmal die Vor- und Nachteile der Bargeldabschaffung genau unter die Lupe.

Welche Vorteile hat die Bargeldabschaffung?

Wer dafür ist, dass ein Verbot des Bargeldes kommt, führt zunächst Argumente ins Feld, die ein Absinken der Kriminalitätsrate erwarten lassen. Doch es gibt auch wirtschaftliche Aspekte:

  • Weniger Raubüberfälle: Wenn in Banken, Geschäften oder Tankstellen kein Bargeld mehr verfügbar ist, gibt es keinen Grund, diese Verbrechen zu verüben.
  • Geldwäsche: Zwar wird mittlerweile viel Geld über das Internet gewaschen, doch finden noch genug Transaktionen in bar statt. Bargeldverbot wäre ein starkes Argument dafür, dass Geldwäsche sich deutlich reduziert.
  • Kostenersparnis: Bargeld zu produzieren benötigt Rohstoffe wie Papier. Das verursacht ebenso Kosten wie Druck, Lagerung, Transport und Verteilung. Um die Menschen mit Münzen und Scheinen zu versorgen, werden Geldautomaten benötigt. Aufbewahrt wird Bargeld in Tresoren. Auch beim Händler verursachen Kassen hohe Kosten. Das ließe sich mit einem Verbot des Bargelds umgehen.
  • Bequem: Bargeld verursacht so manchen Aufwand. Wer es benötigt, muss zum Geldautomaten oder in die Bank. Zu viele Münzen verursachen Probleme bei der Zahlung im Geschäft – und wenn es nur die ungeduldige Schlange an der Kasse ist. Kleingeld einzahlen auf das eigene Konto oder der Wechsel am Münzautomaten bringt ebenfalls Kosten mit sich. Niemand muss mehr im Kopf überschlagen, ob das Geld im Portemonnaie noch ausreichend ist. Gezahlt wird einfach mit der Karte oder der App.
  • Weniger Fehler: Wem ist das nicht schon einmal passiert? An der Kasse stimmt das Wechselgeld nicht und statt eine Retoure für einen 50-Euro-Schein zu erhalten wechselt der Kassierer 20 Euro. Ohne Bargeld würden solche Probleme der Vergangenheit angehören.
  • Weniger Schwarzarbeit: In einigen Branchen ist es leider immer üblich, Arbeitskräfte nicht anzumelden. Der Lohn wird tageweise oder nach Ende eines Projektes bar ausgezahlt. Das ist häufig auf dem Bau noch der Fall oder auch bei Reinigungsarbeiten. Die illegalen Arbeitskräfte halten sich oft ohne Papiere in Deutschland auf, sind nicht angemeldet und nicht krankenversichert. Doch auch viele Deutsche verdienen sich gerne einmal schwarz etwas nebenbei. Müssten Löhne verpflichtend auf ein Bankkonto gehen, weil die Barzahlung nicht mehr möglich ist, würde die Schwarzarbeit nahezu unmöglich werden.
  • Kein Falschgeld: Münzen und Scheine müssen regelmäßig auf Fälschungen überprüft werden. Entsprechende Prüfgeräte sind teuer. Vor allem die Prüfung von Kleingeld nach der Münzgeldverordnung ist mit hohem finanziellem und personellem Aufwand verbunden. Wird das Bargeld abgeschafft, kann der eingespart werden, da Falschgeld keine Relevanz mehr hat.

Welche Nachteile hat die Bargeldabschaffung?

Nie mehr dem lästigen Bargeld hinterherlaufen und sich nicht mehr darum kümmern, genug Geld für die Einkäufe in der Tasche zu haben – das sind Argumente der Menschen, die eine Bargeldabschaffung befürworten. Daneben gibt es jedoch auch Punkte, die dafür sprechen, dass Bargeld nicht abgeschafft wird.

  • Keine Freiheit der Bezahlmethode mehr: Beim Händler können Bürger in der Regel wählen, ob sie bar oder mit einem anderen Zahlungsmittel wie Karte oder Google, beziehungsweise Apple Pay bezahlen. Ein bargeldloser Zahlungsverkehr würde diese Freiheit abschaffen.
  • Keine Kontrolle mehr über das Geld: Alle Macht den Banken – wer zu Hause kein Bargeld mehr horten kann oder zumindest normale Mengen aufbewahrt, muss seine gesamte Habe den Geldinstituten anvertrauen. Das Vermögen kann nicht mehr aus dem System abgezogen werden. Das bedeutet für Verbraucher auch, dass es bei Negativzinsen keinerlei Handlungsspielraum mehr gibt.
  • Datenschutz: Sämtliche Transaktionen im bargeldlosen Zahlungsverkehr werden erfasst und abgespeichert. Da muss die Frage gestellt werden, was mit diesen sensiblen Daten passieren kann. Es ist vorstellbar, dass diese Zahlungsdaten verkauft werden.
  • Schritt zum gläsernen Bürger: Kommen nur noch virtuelle Zahlungsmittel oder Karten zum Einsatz und die Daten werden abgespeichert, kann das einen massiven Eingriff in die Privatsphäre darstellen. Versicherungen und Krankenkassen können beispielsweise erfahren, wie viele Zigaretten oder Alkohol ein Verbraucher benötigt. Policen werden unter Umständen verweigert und Gebühren für Verträge oder die Krankenversicherung teurer.
  • Kriminalität verlagert sich ins Netz: Befürworter der Bargeldabschaffung führen gerne die sinkende Kriminalitätsrate an. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass sich verbrecherische Aktivitäten immer mehr ins Internet verlagern. Ein virtuelles Geldsystem ist eine unausgesprochene Einladung für Hacker, um an Karten- und Kontodaten zu kommen.

Bargeld wird schrittweise abgeschafft – was ist dran an dieser Theorie?

Die Situation ist durchaus kompliziert. Auf der einen Seite betont die deutsche Regierung, dass ein Bargeldverbot kein Thema ist. Auf der anderen Seite werden elektronische Bezahlverfahren und Bargeldobergrenzen gefördert. Besteht da ein Zusammenhang und erfolgt wirklich die Abschaffung des Bargeldes Schritt für Schritt?

Wir haben uns einmal einige Fallbeispiele herausgesucht, die Licht ins Dunkle bringen könnten.

Fallbeispiel 1: Steuervorteile

Der Bundestag bestimmte bereits 2003, dass haushaltsnahe Handwerkerleistungen nur dann steuerlich geltend gemacht werden können, wenn die Zahlung bargeldlos und mit Rechnung erfolgt ist. Auch andere Sonderausgaben wie beispielsweise die Kinderbetreuung müssen durch eine Überweisung dokumentiert sein.

Wie Kritiker durchaus berechtigterweise anmerken, ist das ein kleiner, aber nicht unbedeutender Schritt in die Richtung, Barzahlungen zu reduzieren. Denn rein theoretisch müsste dem Fiskus eine ordnungsgemäße Rechnung ausreichen.

Ein Phänomen, das sich auch in anderen europäischen Ländern ausbreitet – so werden in bar bezahlte Rechnungen auch nicht in Griechenland vom Finanzamt anerkannt.

Fallbeispiel 2: Förderung von Kartenzahlungen

Im BGB geht es in § 675c-676c um die Zahlungsdienste, die von den Banken und verschiedenen Finanzdienstleistern angeboten werden. Darunter fällt auch die bargeldlose Zahlung mit der Girokarte oder der Kreditkarte. Da es keine Regelung bezüglich der Gebühren von Kartenzahlungen gibt, haben die Bankinstitute traditionell davon Gebrauch gemacht, Händlern zu untersagen, dem Kunden für die bargeldlose Zahlung Gebühren in Rechnung zu stellen.

Vor allem in der Anfangszeit gelang es den Geldinstituten damit, die Kunden für diese Zahlungsmethode zu gewinnen. Denn hohe Kosten hätten die bargeldlose Zahlung unattraktiv gemacht.

Visa, Mastercard & Co. haben Händlern vertraglich verboten, die Gebühren, die sich auf bis zu 5,8 % des Rechnungsbetrages belaufen konnten, an die Kunden weiterzugeben. Das widerspricht zwar der europäischen Zahlungsdienstrichtlinie, aber nicht der deutschen Gesetzgebung. Denn die gestattet es den Händlern, aus Wettbewerbsgründen auf Entgelte für die Nutzung effizienter Zahlungsinstrumente zu verzichten. Auf diese Weise werden digitale Bezahlsysteme gefördert und das gute alte Bargeld hat das Nachsehen.

Fallbeispiel 3: Die Bargeldobergrenze

Kommt nach der Abschaffung des 500 Euro-Scheines jetzt auch die Bargeldobergrenze in Deutschland? Bargeldobergrenze, damit ist der maximale Betrag gemeint, der in bar bezahlt werden darf. In Deutschland gibt es dafür aktuell keine Obergrenze, aber wer mehr als 10.000 Euro in bar bezahlen will, muss dem Händler einen Ausweis vorlegen. Hintergrund: Geldwäsche und Terrorismus sollen auf diese Weise eingedämmt werden.

Bei Edelmetallen wie Gold und Silber liegt die Grenze bei 1.999 Euro für anonyme Käufe. Wird es teurer, muss die Identität des Käufers geprüft werden. Eine einheitliche Regelung in der EU für eine Bargeldobergrenze gibt es nicht. In Frankreich liegt sie nur bei 1.000 Euro, in Italien bei 2.999 Euro und in Spanien ohne Ausweis bei 2.500 Euro.

Wer Bargeld mitnehmen will, muss an der Grenze wahrheitsgemäß Auskunft geben. In der EU gibt es keine Obergrenzen. Geht es in Drittstaaten, herrschen strenge Regeln: Beträge über 10.000 Euro müssen beim Zoll angemeldet werden.

Bargeldlose Länder – wo Münzen und Scheine auf dem absteigenden Ast sind

Ein Land ohne Bargeld? Deutschland tut sich damit traditionell schwer. Das zeigen Statistiken. In der EU sind die Skandinavier und auch die Briten nach dem Brexit ganz vorne mit dabei, wenn es um den bargeldlosen Zahlungsverkehr geht.

In Deutschland haben sich die Kartenzahlungen gerade einmal in einem Zeitraum von zehn Jahren um 7 % gesteigert. Obwohl es dank kostenlosem Girokonto oder Geschäftskonto mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten gibt, zumindest gratis eine Prepaid-Kreditkarte zu erhalten. Schließlich entfallen auf diese Weise Gebühren für eine Kreditkarte.

Nur noch die Italiener und Spanier hängen noch mehr am Bargeld als die Deutschen. Auch Österreich und Portugal standen lange in dem Ruf, Bares zu bevorzugen. Allerdings verzeichnet in diesen Ländern der bargeldlose Zahlungsverkehr ein rasantes Wachstum.

Wir haben uns einmal umgeschaut, welche Nation in die Richtung bargeldloses Land geht.

Schweden

SchwedenWenn sich nicht entscheidend etwas ändert, wird Schweden wohl das erste bargeldlose Land der Welt. Jeder vierte Einwohner nutzt lediglich einmal in der Woche Münzen und Scheine. Nur ein Drittel der Bankfilialen zahlt noch Bargeld aus. Insgesamt beruht nur noch 1 % der Wirtschaftsleistung auf Barem. 2030 könnte laut Prognosen ganz Schluss mit dem Bargeld im hohen Norden sein.

Hintergrund des rasanten Wandels ist die 2017 auf den Markt gekommene App Swish, hinter der sieben schwedische Banken stehen. Innerhalb von ein paar Sekunden können Zahlungen getätigt werden. Neben der eigenen Bankverbindung ist dafür nur die Handynummer des Zahlungsempfängers notwendig. Selbst im Café, im Restaurant und beim Händler wird mit Swish bezahlt. 50 % der zehn Millionen Schweden nutzen die App – Tendenz steigend.

Schweden verabschiedet sich vom Bargeld | n-tv

Dänemark

DänemarkDänemark ist einer der Vorreiter in der EU, was den bargeldlosen Zahlungsverkehr angeht. Die dänische Nationalbank hat herausgefunden, dass nur jede vierte Transaktion im Land mit Münzen und Scheinen bezahlt wird. Der Zahlung mit Kreditkarte und Handy vertrauen die Dänen und finden es herrlich bequem. Mittlerweile führen einige Dänen sogar ein komplett bargeldloses Leben.

Der Staat scheint alles dafür zu tun, das Bargeld zum Relikt der Vergangenheit werden zu lassen. Schon seit 2015 müssen kleine Läden, Tankstellen und Restaurants kein Bargeld mehr akzeptieren. Das dient der Entlastung der Geschäftsleute. Denn die müssen Hartgeld und Scheine nach Kassenschluss zählen, bündeln oder in Rollen packen, in den Tresor lagern und dann mit einer Sicherheitsfirma zur Bank transportieren lassen. Das kostet. 2030 soll das Bargeld in Dänemark komplett Vergangenheit sein.

Tipp: Wenn du einen Urlaub in Dänemark planst, solltest du auf jeden Fall nicht auf Bargeld als Zahlungsmittel setzen. Grund genug, sich nach einem Konto umzusehen, in dem eine Prepaid-Kreditkarte mit kostenlosen Bargeldabhebungen auch im Ausland inkludiert ist. Solche Konten gibt es nicht nur als Einzelkonto, sondern auch als Gemeinschaftskonto. Eine echte Option für den Urlaub!

Indien

IndienIn Indien wurden im Herbst 2016 alle 500- und 1.000-Rupien-Scheine für ungültig erklärt. Die Politik wollte damit konsequent gegen Korruption, Geldwäsche, Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung vorgehen. Die Maßnahme betraf 86 % des Bargeldes, das sich in Indien damals in Umlauf befand. Das führte zu einem Chaos. Nur noch geringe Summen konnten von den Bankhäusern abgehoben werden und nur ein Bruchteil der Bevölkerung war im Besitz von Karte oder einer App, um digital zu bezahlen.

Die Wirtschaft auf dem Subkontinent basiert zu über 80 % auf Bargeld. Die Regierung ermöglichte es zwar jedem Inder, kostenlos ein Girokonto zu eröffnen. Doch jeder zweite neue Bankkunde nutzte das Konto nach der Eröffnung nicht.

Dann kam eine Lotterie ins Spiel. Inder, die mit der Karte oder einer App bezahlen, qualifizierten sich automatisch für die Teilnahme. Das System mag in großen Städten wie Delhi oder Bombay funktionieren. Doch gerade auf dem Land können sich Inder weder ein Smartphone leisten, noch stehen bei den Händlern Lesegeräte für die Karte zu Verfügung.

USA

USADie USA sind traditionell das Land der Kreditkarte. Eingeführt wurde dieser bargeldlose Zahlungsverkehr in Hotels bereits im Jahr 1894. Doch es sollte noch bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dauern, bis sich Visa, Mastercard, American Express und Diners Club durchsetzen. Heute nutzten rund 196 Millionen US-Bürger Kreditkarten.

Das hat allerdings auch eine Schattenseite, denn durch die Karten haben sich viele Verbraucher hoch verschuldet. 2018 gingen Schätzungen davon aus, dass 4 % der Kreditkartenschulden abgeschrieben werden mussten.

Mit anderen Methoden bargeldloser Zahlungen tun sich die Amerikaner schwer. Nur 15 % zahlen kontaktlos, wobei die Tendenz leicht steigend ist. Auf dem Vormarsch sind Features wie Apple Pay und Google Pay. Wahrscheinlich liegt auf diesen Bezahlplattformen die Zukunft der Zahlung in den USA.

China

ChinaIn China geht scheinbar nichts mehr ohne die Zahlung mit dem Smartphone. Da kann die ansonsten so strenge Regierung kaum noch eingreifen.

Euphorisch sind die Chinesen nicht zuletzt deshalb, weil sie bei Online Dienstleistern wie Alipay oder WeChat saftige Rabatte erhalten, wenn sie mobil bezahlen. In der Vergangenheit sorgte zudem eine landesweit aktive Lebensmittelkette für Furore, da sie Bargeldzahlungen verweigerte. Hier kam jedoch ganz von oben das Aus und die Supermärkte der Kette müssen weiter Bargeld annehmen.

Einkäufe und Dienstleistungen im Wert von 109 Milliarden Euro wurden 2017 in China mit dem Smartphone bezahlt. In den USA waren es im Vergleich „nur“ 65 Milliarden Euro.

Alipay macht es mittlerweile sogar möglich, nur mit Handynummer plus Gesichtsscan zu bezahlen. Ein Verfahren, das Datenschützer sehr kritisch sehen. Hinter Alipay steckt Chinas reichster Mann Jack Ma. Ziel des Geschäftsmannes: China soll sich so schnell wie möglich in eine bargeldlose Gesellschaft verwandeln.

Gut zu wissen: Selbst die Bettler sind in China auf bargeldlose Methoden umgestiegen. Sie tragen QR-Codes um den Hals und lassen sich Almosen von Passanten via Smartphone überweisen.

Kenia

KeniaIn Kenia gibt es nur wenig Bankfilialen und dementsprechend wenig ATM. Schon vor etlichen Jahren hat Safaricom, das zu Vodafone gehört, einen Geldtransfer via Handy eingerichtet.

Wer M-Pesa nutzen möchte, muss sich bei einem Agenten einen Account einrichten lassen. Guthaben, das der Kunde für bargeldlose Zahlungen nutzt, wird auf der SIM-Karte registriert. Mit dem Handy werden Rechnungen bezahlt, Geld überwiesen, aber auch Bargeld abgehoben.

M-Pesa-Agenten sind meist Betreiber von Tankstellen und Kiosken. Das Guthaben wird elektronisch verwaltet. In Kenia wird mittlerweile ein Viertel des Bruttosozialproduktes via Handy erwirtschaftet.

Allerdings ist der Bargeldbezug beim M-Pesa-Agenten kein Schnäppchen. Für die Transaktion zahlen Nutzer 0,5 bis 20 % des Betrages.

Weitere Länder, in denen Bargeld immer weniger wichtig ist

Das nächste Jahrzehnt wird durch die Digitalisierung die Abschaffung des Bargeldes weiter vorantreiben. Das britische Unternehmen Global Data hat verschiedene Länder einer Analyse unterzogen und dabei die Staaten ermittelt, die eine Führungsrolle haben werden neben Schweden, China und Dänemark. Analysiert wurden dabei die folgenden Punkte:

  • Anteil der Smartphone-Nutzer in der Bevölkerung
  • Nutzung von Internet Banking
  • Anzahl der Kreditkarten pro Person
  • Nutzungshäufigkeit Kreditkarte je Person
  • Anteil der Ausgaben im E-Commerce als Prozentsatz des Bruttosozialproduktes

Finnland scheint dem Ergebnis nach am ehesten bereit zu sein für die Zukunft als bargeldlose Gesellschaft. Die 5,5 Millionen Finnen nutzen weder in der Stadt noch auf dem Land Bargeld. Zwar gibt es keine Maßnahmen wie das schwedische Zahlungssystem Swish, doch die Bereitschaft zur bargeldlosen Zahlung ist unglaublich hoch. In der EU nutzen nur die Iren noch häufiger Karten als die Finnen, um zu bezahlen.

In Südkorea kommen 6 % des Bruttosozialproduktes über Ausgaben im E-Commerce zustande. Jeder Karteninhaber verzeichnet durchschnittlich über 100 Transaktionen im Jahr. Über die Hälfte der Filialbanken in Südkorea akzeptiert es nicht mehr, dass Kunden Geld einzahlen oder Geld abheben. Auch staatliche Institutionen arbeiten mittlerweile komplett bargeldlos.

Nur noch China übertrifft Großbritannien bei den Umsätzen im E-Commerce. Die Briten nutzen Smartphone und Karte selbst für die kleinsten Dinge des Alltags. Immer mehr kleine Shops akzeptieren verschiedene Zahlsysteme. Experten vermuten hinter der Lust am digitalen Zahlen die Innovationen der Fintechs, deren Features es den Kunden herrlich bequem machen.

Australien treibt die Digitalisierung der Wirtschaft kontinuierlich voran. Für das Jahr 2022 wird prognostiziert, dass die überwiegende Mehrheit der Australier ein Smartphone besitzt und 70 % der Bürger Online-Banking nutzen werden.

Das Inkrafttreten der neuen Gesetze für das Open Banking wird 2021 erwartet. Das bedeutet, es werden dem Verbraucher in Zukunft mehr bargeldlose Zahlungsmöglichkeiten als zuvor zur Verfügung stehen. Das wird den Wandel weg vom Bargeld hin zu digitalen Zahlungsmethoden definitiv beschleunigen.

Corona Bargeld abschaffen: Ist die Pandemie der Auftakt zum Bargeldverbot?

Die Corona-Krise fordert Verbraucher und Händler in vielerlei Hinsicht. Seit Ende März 2020 weist der Einzelhandel darauf hin, möglichst kontaktlos zu bezahlen. Indem nicht mehr mit Bargeld an den Kassen hantiert wird, sollen die Folgen einer Ansteckung mit dem Virus verhindert werden. Das bringt automatisch Aktivisten gegen Bargeldabschaffung auf den Plan. Denn die wittern dahinter den Auftakt zu einer kompletten Digitalisierung der Zahlungsmethoden.

Handelt es sich hier um etwas, das die Regierungen weltweit geplant haben? Verschwörungstheorien? Oder steckt darin doch ein Funken Wahrheit, den die offiziellen Medien verschweigen?

Wir haben uns einmal angeschaut, ob an diesen Gerüchten etwas dran sein könnte, wer welche Position vertritt und ob Bargeld tatsächlich das Infektionsrisiko steigen lässt.

Corona: Ein Plan zur Bargeldabschaffung?

Ein Internetuser namens „Dawid Snowden“, der sein Pseudonym von dem bekannten Whistleblower Snowden abgeleitet hat, sieht das Coronavirus als eine Erfindung der internationalen Finanzeliten. Denn die setzen alles daran, das Bargeld endgültig abzuschaffen. Daher wurde extra das Virus gezüchtet, wobei besonders Wert darauf gelegt wurde, dass es gut auf Münzen und Geldscheinen haftet.

„Dawid Snowden“ fordert, das Bargeld zu retten. Denn werden Münzen und Scheine abgeschafft, könnten die Menschen rund um den Globus noch besser ausgebeutet werden. „Dawid Snowden“ ist nicht der einzige Kämpfer für die Rettung des Bargeldes. Aber gerade in Corona-Zeiten kommen alle möglichen Verschwörungstheorien nicht zuletzt durch die sozialen Medien ans Tageslicht.

So unterschiedlich die Behauptungen sein mögen, eine Verschwörungstheorie ist immer nach dem gleichen Muster gestrickt:

  1. Ein Problem taucht auf, dessen Dimensionen noch nicht absehbar sind.
  2. In diesem Problem zeigen sich ein oder mehrere wahre Kerne.
  3. Das Problem wurde von einer geheimen, nicht näher definierten Elite in die Welt gesetzt.
  4. Ziel sind Ausbeutung und Zerstörung der Menschheit.

Im Fall von Corona bedeutet das: Die Ursachen und Auswirkungen der Pandemie sind noch nicht vollständig klar. Keime können jedoch durchaus auf Bargeld haften. Daher hat eine internationale Elite das Virus gezüchtet, um das Bargeld abzuschaffen und die Menschheit zu versklaven.

Gerade die Finanzwelt ist voller solcher Verschwörungstheorien. 2019 gaben 46 % der Befragten einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung an, dass die davon überzeugt seien, es gäbe geheime Organisationen, die politische Entscheidungen steuern.

Gut zu wissen: In Krisenzeiten blühen immer die Verschwörungstheorien, da Menschen unsicher werden und nach Erklärungen suchen. Prüfe daher immer genau, was du auf Blogs und in den sozialen Medien liest, schaue dir unterschiedliche Meinungen an, aber bleibe bei Zahlen und wissenschaftlichen Fakten!

Bargeld und Corona: Abschaffen und sich nicht anstecken?

Ist Bargeld ansteckend oder nicht? Diese Frage bewegt die Menschen, nicht zuletzt angeheizt von zahlreichen Verschwörungstheorien. Auch, weil immer wieder das Gerücht kursiert, es käme über kurz oder lange zu einem Engpass in der Bargeldversorgung.

Die Bundesbank stellt klar: Die Bargeldversorgung ist auch während der Pandemie gesichert. Tresore sind gefüllt, Geldautomaten und Bankfilialen werden beliefert und unter dem Strich stimmt die Logistik. Auch dann, wenn sich die Situation nicht verbessert und die Einschränkungen noch drastischer werden.

Die Banken arbeiten wie gewohnt weiter. Die Deutsche Kreditwirtschaft versichert, dass unverändert alle Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Bankdienstleistungen sind online, in der Filiale oder auch per Videotelefonie möglich, wenn der Berater im Homeoffice sitzt.

Das heißt: Niemand zwingt dich, kontaktlos zu bezahlen. Willst du Bargeld am Automaten abheben, ist das immer noch möglich. Auch an der Kasse im Supermarkt kannst du weiterhin mit Cash bezahlen.

Doch wie gefährlich ist das Corona Ansteckungsrisiko im Zusammenhang mit Münzen und Scheinen? Besorgniserregende Nachrichten kamen aus der Schweiz. Denn dort warnte die Sektion Impfempfehlung des Bundesamtes für Gesundheit vor Viren auf Banknoten. In der Vergangenheit war ein ähnlicher Fall aufgetreten, bei dem Grippeviren 17 Tage lang auf Scheinen überleben konnten. Ein Szenario, das auch im Zusammenhang mit Corona möglich sein könnte.

Dazu passt, dass in den USA nachgewiesen wurde, dass Sars-CoV-2 auf Oberflächen eine Überlebensdauer von mehreren Tagen hat. Die Nachweise sehen so aus:

  • Luftpartikel: drei Stunden
  • Kupfer: vier Stunden
  • Pappe: einen Tag
  • Kunststoff und Edelstahl: zwei bis drei Tage
Gut zu wissen: Es gibt keine speziellen Laboruntersuchungen, wie lange Sars-Covid auf Geldscheinen und Münzen überlebt. Wir raten dazu, dass du dir nach dem Kontakt mit Bargeld grundsätzlich die Hände wäschst und desinfizierst.
Corona Bargeld abschaffen
Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus über Bargeld ist äußerst gering.

In Deutschland werden die Ergebnisse aus den USA eher kritisch gesehen. Führende Virologen halten das Virus auf Münzgeld für unproblematisch. Denn Corona- wie Grippeviren besitzen eine Hülle. Genau die ist gegen Eintrocknung sehr empfindlich. Sich auf diese Weise mit einem Schnupfen anzustecken sei deutlich leichter. Das klingt logisch.

Die Deutschen zahlen zwar während der Pandemie häufiger als zuvor kontaktlos, aber an den Kassen wird weiter mit Bargeld operiert. Wenn Münzen und Scheine so gefährlich wären, würde sich das in höheren Fallzahlen dokumentieren.

Ein Nachweis der Viren auf Bargeld ist zwar möglich, aber in der Regel sind die vorhandenen Keime nicht ausreichend für eine Ansteckung. Zu diesem Schluss kommen die Gesundheitsämter.

Die Epidemie als Beschleuniger der Bargeldabschaffung? Diese These kann nicht aufrechterhalten werden. Denn Bundesbank und Europäische Zentralbank (EZB) kommunizieren immer wieder, dass ein Ansteckungsrisiko in Zusammenhang mit Bargeld sehr, sehr niedrig ist.

Cash oder Karte – Schafft Corona das Bargeld ab? | ZDFheute Nachrichten

Zusammenfassung

Deutschland liebt Bargeld. Daran hat die Corona-Krise zwar einiges geändert und es wird mehr mit Karte und per App bezahlt. Aber das auch nur gezwungenermaßen.

In vielen EU-Staaten oder in China sind die Bürger bargeldlos glücklich. In Schweden, Dänemark und Finnland ist Bares im Alltag fast gar nicht mehr präsent. Eine Entwicklung, die Digitalisierung und innovative Bezahlsysteme sicher weiter vorantreiben werden.

Einige Nationen wollen 2030 den Sprung in die bargeldlose Gesellschaft geschafft haben. Datenschützer sehen diese Tendenzen kritisch. Denn bei bargeldlosen Zahlungsmethoden werden alle Transaktionen erfasst, was zu lasten der Privatsphäre gehen muss.

In Deutschland betonen sowohl Politik als auch Banken, dass kein Bargeldverbot kommen wird. Realistisch ist höchstens eine Bargeldgrenze für Bezahlungen, die aktuell von der EU vorbereitet wird.

Möglich ist auch, dass Kupfergeld nach und nach verschwinden wird – die Niederlande haben die 1-Cent-Münzen bereits abgeschafft und auch der 500-Euro-Schein ist in der EU mittlerweile Geschichte.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Bargeldverbot?

Der Begriff Bargeldverbot ist vieldeutig. Damit kann gemeint sein, dass sich ein Land komplett entschließt, Münzen und Scheine abzuschaffen, was aktuell eher unwahrscheinlich ist. Damit kann auch die Bargeldgrenze gemeint sein. Das bedeutet, es darf nur bis zu einem bestimmten Betrag eine Ware oder eine Dienstleistung in bar beglichen werden.

Die Summen, ab denen das Bargeldverbot greift, sind international unterschiedlich. In Deutschland ist die Höhe noch nicht festgelegt.

Wann kommt die Bargeldabschaffung?

Eine komplette Bargeldabschaffung ist nirgendwo auf der Welt angedacht. Stimmen, die ein Bargeldverbot aufgrund der Corona-Krise vermuten, sind im Reich der Verschwörungstheorien anzusiedeln. Korrekt ist nur, dass viele Prozesse im Alltag digitaler werden und Verbraucher daher die Wahlfreiheit haben, wie sie bezahlen möchten.

Wer will das Bargeld abschaffen?

Die Frage, wer das Bargeld abschaffen will, ist mehrdimensional. Einige vermuten dahinter Regierungen und Zentralbanken, andere die Finanzindustrie, wieder andere superreiche Unternehmer. In Dänemark haben sich zum Beispiel vor einigen Jahren konkret Händler und Restaurants sowie Tankstellen gegen Bargeld ausgesprochen und müssen es seit 2015 nicht mehr akzeptieren.

Warum will man das Bargeld abschaffen?

Bargeld spielt bei Verbrechen eine große Rolle. Bei einem Wegfall wären Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Schwarzarbeit deutlich schwieriger zu realisieren, beziehungsweise unmöglich. Eine weitere Rolle spielen die Kosten, die mit Bargeld verbunden sind. Es kostet Zeit, Geld und Personal, Münzen und Scheine zu zählen und auf Fälschungen zu überprüfen.

Was spricht gegen Bargeldabschaffung?

Menschen, die das Bargeld retten möchten, sprechen von finanzieller Freiheit. Da Bezahlungen mit Bargeld nicht mit sämtlichen Daten erfasst werden, bleibt ebenfalls die Privatsphäre gewahrt.

Ein wichtiges Argument ist daher der Datenschutz. Einige wollen zudem nicht ihr ganzes Vermögen den Banken anvertrauen und setzen daher darauf, das Geld zu Hause aufzubewahren. Die Zinsen sind aktuell ohnehin extrem niedrig. Barzahler kommen zudem häufig in den Genuss von Skonto.

Was spricht für Bargeldabschaffung?

Fehlt das Bargeld, entfallen der Gang zum Geldautomaten oder zur Bank, sowie die Sorgen, nicht passend zahlen zu können. Bargeld kann zudem verloren gehen oder gestohlen werden. Es ist zudem nicht fälschungssicher. Ein weiteres Argument für die Abschaffung: Geldwäsche und Schwarzarbeit werden verhindert.

Was tun bei Bargeldverbot?

Wenn du Angst hast, dass deine Ersparnisse bei einem Bargeldverbot nichts mehr wert sind, solltest du dich entweder entscheiden, diese auf einer Bank zu lagern, beziehungsweise zu investieren. Oder du steckst das Geld in Sachwerte wie Immobilien.

Was passiert mit Gold, wenn Bargeld abgeschafft wird?

Eine gleichzeitige Abschaffung von Gold und Bargeld gilt als extrem unwahrscheinlich. Gold hat in der Geschichte seine Kaufkraft immer behalten. Außerdem kannst du es im Falle des Falles gut verstecken.

Ist Bargeld horten verboten?

In Deutschland existiert keine Obergrenze. Du kannst so viel Geld zu Hause haben, wie du möchtest und dir notfalls auch Dagobert Ducks Geldspeicher nachbauen lassen. Eine Strafe für das Horten von Bargeld gibt es nicht. Anders würde das aussehen, wenn es sich um Falschgeld dreht, aber das ist nicht das Thema.

Was muss ich im Urlaub bezüglich Bargeldverbot beachten?

Es gibt einige wenige Länder, in denen es im Alltag schwer sein kann, überall in bar zu bezahlen. In Europa zählen Schweden und Dänemark dazu. Hier solltest du auf jeden Fall eine Kreditkarte besitzen oder eine entsprechende Bezahl-App auf dem Handy.

Bargeld? Lust oder Frust? Hängst du an den Münzen und Scheinen? Oder darf es bei dir nur die Karte sein? Glaubst du, dass Bargeld noch eine Zukunft hat? Oder bist du der Meinung, es gehört endlich abgeschafft? Schreib uns deine Meinung in die Kommentarspalte und diskutiere mit!

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Chris Berger

Wenn wirklich mal kein Bargeld mehr da ist, ja dann geht die Jammerei los, aber jetzt feste mit Karten bezahlen, an der Selbstbedienungskassa selbst einscannen, etc. Von den Banken wird man ohnehin gezwungen, am Blechtrottel sich das Geld zu holen, den Zahlschein selbst vom Konto abzuziehen – obwohl man dafür auch noch Gebühren bezahlt…. So kommt nicht nur das Bargeld weg, miteinher geht eine Arbeitsplatzvernichtung sondergleichen… und dann noch anstehen vor den Automaten, bei der Essensausgabe usw., das ist unsere neue Welt!!! Grauslich, unmenschlich, kalt, egoistisch. Geldwäsche, Drogengeschäfte etc. sind nur faule Ausreden, die haben schon längst andere „Zahlungsmittel“, aber uns „Kleinen“ will man unter fadenscheinigem Schönreden vom digitalen Bezahlen die letzte kleine Freiheit nehmen…. Leider wacht wie in so vielen Dingen der Großteil erst auf, wenn es zu spät ist… dann wird resigniert „ja da kann man nix machen“…

Chris Berger

Danke liebe Alessia für die Rückmeldung. Ja auch hier in Österreich wurde man gebeten, aus Gründen des Infektionsschutzes mit Karten zu bezahlen. Meine Tochter, sonst den Karten nicht abgeneigt, hat gerade in dieser Zeit alles mit Barem bezahlt, genau so wie ich. Denn erwiesenermaßen ging vom Bargeld am wenigsten ein Risiko aus, man musste sich dabei auch gar nicht berühren, mir „grauste“ mehr, wenn an dem Kartenlesegerät herumgefuchtelt und eingetippt wurde,, Und jede Kartenbenützung ist ein Beitrag zum schnelleren Wegkommen vom Bargeld… Aber eben, es kann jeder seine Meinung haben und ich glaube nicht, dass sich z.B. die doch nicht so hinter der Welt lebenden Schweizer, wie manchmal dargestellt, so schnell ihre Fränkli nehmen lassen…. Es geht einfach zu schnell, die Digitalisierung…. Ob die Banker den Durchblick besser behalten, wenn alles digitalisiert und Bitcoins & Co. mitspielen oder es einmal (Gott bewahre!!) zu einem europa- oder gar weltweiten „Blackout“ kommt, das lassen wir mal dahingestellt… Sorry, bin halt nur eine einfache Pensionistin, die sich so ihre Gedanken macht, nicht mehr um mich, eher um meine Kinder und Enkel…

Herzliche Grüße
Chris

Abendlaender

Ich habe zufällig diesen Beitrag entdeckt.

Ich sehe die Entwicklung mit großer Sorge. Bargeld ist für mich praktisch und Datenschutz im Alltag. Scheine und Münzen sind für mich auch ein Stück Alltagskultur. Ich habe gerne etwas in der Hand statt nur etwas in Zahlen irgendwo auf dem Konto. Bargeld habe ich in der Geldbörse ohne die Gefahr, daß die Karte nicht geht oder weniger auf dem Konto ist als ich denke und ich nicht bezahlen kann. Ich habe als Notgroschen Silbermünzen, weil sie auch einen Sachwert haben.

Und nicht zuletzt stellt sich die Frage, was geschieht, wenn das System nicht klappt oder gar gehackt wird. Ich finde es außerordentlich dumm, sich von Technik abhängig zu machen, nicht nur beim Geld. Mir graut es auch dabei, daß alles überwachbar ist.

Ich finde, daß es in einigen wichtigen Bereichen eine Annahmepflicht für Bargeld geben sollte, wenn es mit der bargeldlosen Gesellschaft übertrieben wird. Schweden sollte und könnte auch damit Vorreiter sein und nach der Mindestanforderung von Bargelddiensten eine Annahmepflicht in gewissen Bereichen einführen. Das wird Signalwirkung haben, worauf andere Länder nachziehen werden. Zu diesen Bereichen zähle ich Geschäfte des täglichen Bedarfs, Bekleidungsgeschäfte, Fahrkarten, Übernachtungen im unteren Preisbereich, Gaststätten und Imbisse usw.

Eine solche Verpflichtung braucht es nicht für Auto- und Immobilienhändler, Möbelhändler, teure Hotels und Gaststätten und überhaupt im Luxusbereich. Niemand sollte verpflichtet werden, sich über Gebühr der großen Gefahr von Überfällen auszusetzen, was im hochpreisigen Bereich der Fall ist. Deshalb ist es für mich nachvollziehbar, daß Banken Bargeld nur noch über Automaten auszahlen wollen, um ihre Mitarbeiter vor Überfällen zu schützen. Aber wenn alle Geldautomaten in der Nähe außer Betrieb sind, sollte geregelt sein, wo Bargeld ersatzweise händisch ausgezahlt wird.

Aber man kann auch von Schweden lernen. Eine Geldautomat-Gesellschaft für alle Bankkunden reicht aus und macht Überlegungen, ob es sich um einen fremden Automaten handelt und man eine Zusatzgebühr zahlen muß, überflüssig. Man sucht einfach einen Geldautomaten und gut ist. Auch die deutschen Banken sollten zusammen ein einziges Geldautomaten-Netz betreiben! Und nicht zuletzt lassen sich Kosten sparen. Nur sehr wenige Banken in Schweden haben sich Bankomat nicht angeschlossen.

Es wäre einmal spannend, jemanden ausschließlich mit Bargeld nach Schweden zu schicken und anschließend darüber zu berichten.

Schönen Gruß, Alex

Abendlaender

Der Bargeldabschaffung muß zur Not ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben werden, um den Verdacht auszuräumen, man wolle es uns im Rahmen einer Verschwörung wegnehmen. Ich will die Möglichkeit haben, zu bezahlen, ohne daß das jemand nachverfolgen kann! Jeder hat zu Recht irgend etwas zu verbergen! Von einem freiheitlichen Staat erwarte ich, daß er mein Recht auf Barzahlung in der erweiterten Daseinsvorsorge schützt! Das wird auch Signalwirkung haben! Das neue Bargeldgesetz hat in Schweden schon für mehr als 10 neue Bankomat-Standorte gesorgt.

Andererseits müssen sich die Banken darauf einstellen, wenn weniger Bargeld verwendet wird. Ich kann nicht mehr erwarten, daß in einer Stadt sich an jeder Straßenecke ein Geldautomat oder ein Bank-Kassenschalter befindet. Hinweise auf den nächsten Geldautomaten auf Schildern wären hilfreich. Allein in der Innenstadt mit rund 7.000 Einwohnern, wo ich wohne, gibt es zur Zeit 7 oder 8 Geldautomaten-Standorte. Zwei Standorte für alle Bankkunden, einen in der Ortsmitte und einen weiteren im Einkaufszentrum, täten reichen. Wenn nach der Corona-Krise keine Kehrtwende eintritt, werden da Einsparungen notwendig sein!

Gruß, Alex

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